(Foto: Lutz Sebastian)

Mitteldeutsche Zeitung / Dessau-Roßlau

Hunderte Schwäne und Gänse zu Gast von Heidi Thiemann 10.01.2015

http://www.mz-web.de/dessau-rosslau/naturschutz-bei-dessau-hunderte-schwaene-und-gaense-zu-gast,20640938, 29524528.html

Ein besonderes Naturschauspiel ist seit November zwischen Meinsdorf und M√ľhlstedt zu erleben. ‚ÄěAuf einem abgeernteten Maisfeld k√∂nnen Spazierg√§nger 500 bis 800 gro√üe wei√üe Schw√§ne mit gelben Schn√§beln und dazwischen noch einmal 1‚ÄÖ000 Wildg√§nse beobachten‚Äú, sagt der Meinsdorfer Hartmut Kolbe. Bemerkenswert sei f√ľr die Spazierg√§nger dabei auch, dass sie in etwa 50 Meter Entfernung an den Tieren vorbeilaufen k√∂nnen, ohne dass diese sich gest√∂rt f√ľhlten.

Zum ersten Mal haben die V√∂gel sich in solch gro√üer Anzahl zwischen den beiden Orten niedergelassen. ‚ÄěBei Wittenberg gibt es eine riesige Kiesgrube und dort gibt es auch gro√üe √Ącker, wo bis zu 10‚ÄÖ000 Tiere zu beobachten sind‚Äú, sagt Kolbe, ehrenamtlicher Natursch√ľtzer und Publizist, der in Ro√ülau und Umgebung auch als ‚ÄěEnten-Kolbe‚Äú bekannt ist.

‚ÄěDie Singschw√§ne‚Äú, so der Meinsdorfer, ‚Äěsind Winterg√§ste aus den Baltikum und dem Norden Russlands. Das milde Wetter, der fehlende Schnee und die restlichen auf dem Feld liegenden Maiskolben als Ernter√ľckst√§nde sind der Anlass f√ľr die gro√üen Anzahl der Winterg√§ste‚Äú, erkl√§rt er. Dass die Tiere aus dem Baltikum bzw. dem Norden Russlands stammen, erl√§utert er, wisse man, da die Tiere zum Teil beringt sind an Fu√ü und Hals. Die Ringe geben den Beobachtern Aufschluss √ľber den Weg, den die Tiere nehmen.

20.000 bis 30.000 Datensätze

Es gebe auch die Variante die Tiere zu besendern, was allerdings teuer sei und mit jeweils etwa 1‚ÄÖ000 Euro zu Buche schlage. ‚ÄěIn 2014 sind zw√∂lf Tiere in Nordrhein-Westfalen besendert worden. F√ľnf der Tiere sind zur√ľckgekehrt, so dass die Daten ausgewertet werden k√∂nnen‚Äú, sagt der Ornithologe. Jeder Sender enthalte 20‚ÄÖ000 bis 30‚ÄÖ000 Datens√§tze, die Aufschluss √ľber das Verhalten der V√∂gel geben.

Die wei√üen Schw√§ne und Wildg√§nse, die sich tags√ľber auf dem Feld zwischen Meinsdorf und M√ľhlstedt aufhalten, fliegen abends in der D√§mmerung in kleinen Gruppen und in geringer H√∂he zu ihren Schlafpl√§tzen auf Elbe, Pelze oder Leiner See und morgens zur Nahrungsaufnahme wieder zur√ľck zu den Feldern. ‚ÄěLeider geht das nicht immer ganz glatt‚Äú, wei√ü Hartmut Kolbe.

‚ÄěSieben dieser Schw√§ne strauchelten offenbar an den Zweigen gro√üer B√§ume und mussten auf H√∂fen, auf der Stra√üe oder auf dem Meinsdorfer Kreisel notlanden.‚Äú Starten k√∂nnen diese Tiere an diesen Stellen aber meist nicht wieder. Sie br√§uchten dazu etwa 30 bis 50 Meter Anlauf und stellten sich beim Starten auf Feldern oder auf dem Wasser gegen den Wind, erkl√§rt der Natursch√ľtzer, um abheben zu k√∂nnen.

Diener der Wissenschaft

Die Jungtiere, die rund um Meinsdorf notlanden mussten, sind alle unverletzt. Bevor sie aber mit Hilfe von Kolbe wieder starten und zur√ľck in ihren Schwarm k√∂nnen, werden sie zu Dienern der Wissenschaft. ‚ÄěSie erhalten einen Fu√üring der Vogelwarte Hiddensee und dazu einen gelben Halsring mit einem Zahlen-Buchstaben-Code. Mit gro√üen Ferngl√§sern sind die Nummern ablesbar und damit lassen sich Bewegungs- und Zugprofile der Tiere verfolgen‚Äú, erkl√§rt Kolbe, der seit nunmehr 58 Jahren V√∂gel beringt.

Es komme aber auch vor, dass sich ein Tier, das notlanden m√ľsse, verletze. Im vergangenen Jahr hatte Kolbe ein verletztes Tier gefunden, es auf seinem Grundst√ľck gepflegt und im Sommer in die Freiheit entlassen. ‚ÄěAuch dieses Tier ist wieder da‚Äú, freut er sich √ľber diese Beobachtung.

Nicht auszuschlie√üen ist, dass auch in n√§chster Zeit Tiere auf Stra√üen oder H√∂fen notlanden m√ľssen. Kolbe bittet daher darum, ihn in solch einem Fall umgehend zu informieren . . . (mz)

 

Langjährige avifaunistische Untersuchungen (Monitoring):

‚óŹ Winteraufenthalt der Singschw√§ne im Vorfl√§ming

‚óŹ Kontrolle der Kranich-Schlafpl√§tze

‚óŹ Monitoring Kleineulenvorkommen im Fl√§ming

‚óŹ Sammlung avifaunistischer Daten im Hohen Fl√§ming und im

Roßlau-Wittenberger-Vorfläming

 

Mehrjährige Monitoring-Programmarbeiten:

 

‚óŹ Integriertes Monitoring Singv√∂gel (IMS) H. Kolbe / Dr. J. Graul

‚óŹ Rauchschwalben-Fang an Schilfschlafpl√§tzen

‚óŹ Bartmeisen-Fang an vier Gew√§ssern im Vorfl√§ming

  

Vogelberingung f√ľr Beringungszentrale ‚ÄěVogelwarte Hiddensee‚Äú

‚óŹ seit 65 Jahren im Raum Dessau-Ro√ülau

Vogelberingung
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